Wie das erste Auto ins Dorf kam – Motorenlärm auf Guckheimer Feldwegen
Stille war früher allgegenwärtig. Kein Brummen, kein Hupen – nur das Klappern der Hufe, das Knarren der Holzräder und vielleicht ein schimpfender Fuhrmann. In Guckheim war das nicht anders. Bis zu dem Tag, an dem ein seltsames Gefährt durchs Dorf knatterte, qualmte – und für Verwirrung sorgte: das erste Automobil war da.
Vom Pferdewagen zum PS-Wunder
Wann genau das erste Auto Guckheim erreichte, lässt sich nicht mit letzter Sicherheit sagen. Aber es war ein Moment, der hängen blieb. Manche sprechen von den 1920er-Jahren, andere nennen die frühen Dreißiger. Sicher ist: Es war laut. Und es roch. Nach Benzin, Öl, verbranntem Gummi – ein Geruchscocktail, den bis dahin niemand kannte.
Die Reaktionen waren gemischt. Ältere schüttelten den Kopf, sprachen vom „unnützen Krachdeng“, andere staunten. Kinder rannten hinterher, Hunde bellten, Hühner flatterten. Die Kühe, ohnehin nicht für technische Innovationen zu begeistern, sprangen gelegentlich aus dem Weg – sofern sie Zeit dazu hatten. Die Dorfstraße war noch nicht geteert, sondern bestand aus festgefahrenem Lehm und Steinen. Kein Ort für Hochgeschwindigkeit.
Der Fahrer – ein mutiger, vermutlich wohlhabender Mann – genoss die Aufmerksamkeit. Vielleicht war es ein Händler aus Montabaur oder ein Vertreter aus Westerburg. Jedenfalls war er Thema beim Abendessen. Und in der Dorfwirtschaft sowieso.
In den Jahren danach wurde der Anblick des Automobils häufiger, aber nicht alltäglich. Viele Guckheimer blieben dem Pferdefuhrwerk treu – aus Überzeugung, aus Kostengründen, manchmal auch aus Trotz. Erst mit dem wirtschaftlichen Aufschwung nach dem Zweiten Weltkrieg zogen mehr Motoren ins Dorf. Traktoren zuerst, dann Lieferwagen, später Privatautos.
Doch der Moment, als das erste Auto kam, war wie ein kleiner Zeitsprung. Die Moderne hatte Guckheim erreicht – rumpelnd, ratternd, aber unüberhörbar. Und wer damals dabei war, erinnert sich nicht an die Marke oder PS-Zahl. Sondern an das Gefühl: Etwas Neues war da. Und es roch nach Abenteuer.
