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Vom Pferdegleis bis nach Guckheim

1886 begann in Koblenz eine Geschichte, die zunächst nach Straßenbahn klang und bald nach Strom roch. Aus der „Coblenzer Straßenbahn-Gesellschaft“ wurde später die KEVAG, aus der KEVAG ein Teil der heutigen evm. 140 Jahre später ist Energie längst keine ferne Technikfrage mehr, sondern etwas, das bis in Orte wie Guckheim reicht.

Zwölf Jahre nach Gründung nahm die damalige KEVAG 1898 ihr Elektrizitätswerk in der Koblenzer Schützenstraße in Betrieb. Drei Dampfmaschinen mit je 250 PS, Generatoren, Batterien, Kessel, Pumpen und der 45 Meter hohe Schornstein ermöglichten die Stromlieferung. Ab 1899 speiste „dat Werk“, wie es im Volksmund genannt wurde, Strom in das Straßenbahnnetz ein und lieferte an Groß- und Kleinabnehmer. Foto: evm-Archiv
Zwölf Jahre nach Gründung nahm die damalige KEVAG 1898 ihr Elektrizitätswerk in der Koblenzer Schützenstraße in Betrieb. Drei Dampfmaschinen mit je 250 PS, Generatoren, Batterien, Kessel, Pumpen und der 45 Meter hohe Schornstein ermöglichten die Stromlieferung. Ab 1899 speiste „dat Werk“, wie es im Volksmund genannt wurde, Strom in das Straßenbahnnetz ein und lieferte an Groß- und Kleinabnehmer. Foto: evm-Archiv

Als Zukunft noch auf Schienen fuhr

Am Anfang standen Pferde. Keine Solarmodule, keine Netze, keine Krisenstäbe, keine großen Worte über Transformation. Pferde zogen Straßenbahnen durch Koblenz, während die Stadt wuchs, neue Quartiere entstanden und Verwaltung, Militär und Industrie nach verlässlicher Infrastruktur verlangten. Mobilität war damals kein Komfortthema. Sie war ein Versprechen: Diese Stadt kommt voran.

Aus der 1886 gegründeten „Coblenzer Straßenbahn-Gesellschaft“ entwickelte sich später die Koblenzer Elektrizitätswerk und Verkehrs-AG, kurz KEVAG. Schon Ende des 19. Jahrhunderts rückte die Elektrizität in den Mittelpunkt. Mit eigenem Kraftwerk und elektrifizierter Straßenbahn begann eine neue Etappe. Energie wurde nicht mehr nur genutzt, sie wurde organisiert. Verteilt. Erwartet.

Das klingt heute selbstverständlich. Ist es aber nicht. Jede Steckdose lebt von Entscheidungen, die lange vor ihr getroffen wurden.

Von 1899 bis 1967 fuhr die „Elektrisch“. Diese erste elektrische Straßenbahn in Koblenz fuhr vom heutigen Görresplatz bis zum Schützenhof. Foto: evm-Archiv
Von 1899 bis 1967 fuhr die „Elektrisch“. Diese erste elektrische Straßenbahn in Koblenz fuhr vom heutigen Görresplatz bis zum Schützenhof. Foto: evm-Archiv

Verlässlichkeit ohne Patina

Die evm erinnert nun an 140 Jahre Energiegeschichte. Das ist ein Anlass, der leicht nach Jubiläumsbroschüre klingt: alte Fotos, saubere Chronologie, ein paar Sätze über Wandel und Verantwortung. Doch die Geschichte der KEVAG war tatsächlich nie bloß Kulisse. Weltkriege, Wiederaufbau, wirtschaftliche Krisen, technische Umbrüche und der Abschied von der Koblenzer Straßenbahn im Jahr 1967 haben das Unternehmen immer wieder gezwungen, sich neu zu sortieren.

2014 ging die KEVAG in der heutigen Energieversorgung Mittelrhein auf. Mit der Fusion von EVM, Gasversorgung Westerwald und KEVAG entstand ein Unternehmen, das sich bis heute auf regionale Nähe beruft. Vorstand Mithun Basu nennt die KEVAG Teil der Unternehmens-DNA. Christoph Hesse verweist auf Krisen der jüngeren Vergangenheit, auf Corona, Energiekrise und die Flutkatastrophe im Ahrtal. Die Botschaft ist klar: Verlässlichkeit soll nicht wie ein Werbewort wirken, sondern wie eine Erfahrung.

Das ist viel. Und wenig. Je nach Blick.

Im Jahr 1927 stellten sich die Kabelmonteure der Kolonne Arzbach zum Gruppenbild auf. Foto: evm-Archiv
Im Jahr 1927 stellten sich die Kabelmonteure der Kolonne Arzbach zum Gruppenbild auf. Foto: evm-Archiv

Denn Verlässlichkeit zeigt sich nicht im Rückblick allein. Sie zeigt sich dort, wo Menschen heute fragen, wie Energie künftig erzeugt wird, wo sie herkommt und was sich vor der eigenen Haustür verändert.

Die Brücke nach Guckheim

Genau hier berührt die große Geschichte das Dorf. In Guckheim ist ein Solarpark geplant. Mehr muss man an dieser Stelle gar nicht technisch zerlegen. Interessant ist der Zusammenhang: Was 1886 in Koblenz mit Mobilität und später mit Elektrizität begann, führt heute in die Gemeinden der Region zurück.

Ein Solarpark ist dabei nicht nur ein Eingriff in die Landschaft, sondern auch eine Möglichkeit, Energie dort zu erzeugen, wo sie gebraucht wird: näher an den Menschen, näher an den Netzen, näher an der Verantwortung. Gerade wenn dafür eine bereits vorgeprägte Fläche genutzt wird, liegt darin ein Gedanke, der zu einem Dorf passt, das nicht nur über Zukunft reden will, sondern sie auch aushalten muss. Strom kommt dann nicht mehr nur von irgendwo. Er bekommt einen Ort.

Für Guckheim kann das bedeuten: ein sichtbarer Beitrag zur Energiewende, ein Stück regionale Unabhängigkeit und die Chance, dass eine Fläche eine neue Aufgabe erhält. Ob und welche konkreten finanziellen Vorteile für die Gemeinde entstehen, müsste sauber belegt werden. Aber der grundsätzliche Nutzen liegt auf der Hand: Sonne, Fläche, Technik und örtliche Verantwortung werden zusammengebracht.

Früher standen die Fragen an Schienen, Kraftwerken und Leitungen. Heute stehen sie an Flächen, Landschaftsbildern und kommunalen Entscheidungen. Die Technik hat sich verändert, der Ort der Debatte auch. Energie ist nicht mehr nur etwas, das aus der Ferne kommt. Sie wird in der Region geplant, abgewogen und genutzt. Auch in Guckheim.

Mithun Basu (rechts) und Christoph Hesse führen das Unternehmen im 140. Jahr des Bestehens mit klarem Kurs in die Zukunft. Foto: Dominik Ketz/evm
Mithun Basu (rechts) und Christoph Hesse führen das Unternehmen im 140. Jahr des Bestehens mit klarem Kurs in die Zukunft. Foto: Dominik Ketz/evm

Zukunft braucht Nachbarschaft

Das 140-jährige Bestehen der evm ist deshalb kein reiner Blick zurück. Es erinnert daran, dass Versorgung nie einfach vom Himmel fiel. Sie wurde gebaut, umgebaut, verteidigt, modernisiert. Manchmal mit Schienen, später mit Kabeln, heute auch mit erneuerbaren Energien.

Für Guckheim bedeutet das nicht, jeden Plan ohne Fragen durchzuwinken. Es bedeutet aber, ihn in eine längere Geschichte einzuordnen. Die Region war nie nur Empfängerin von Energie. Sie war immer auch Teil jener Infrastruktur, die Alltag möglich macht: Licht, Wärme, Verkehr, Arbeit, Sicherheit.

Der alte Koblenzer Pferdewagen und der geplante Solarpark in Guckheim liegen weit auseinander. Und doch verbindet sie etwas: Beide erzählen davon, dass Zukunft selten laut beginnt. Oft kommt sie als Bauvorhaben, als Beschluss, als Leitung, als Fläche. Erst später merkt man, dass sie längst zum Alltag gehört.

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