Ein Dorf macht Ernst mit der Wärmewende
Bracht, ein Ortsteil von Rauschenberg in Mittelhessen, hat sich aus der fossilen Abhängigkeit befreit. Fast alle Haushalte im Ortskern werden inzwischen über ein Nahwärmenetz versorgt, das auf Solarthermie basiert. Finanziert, geplant und getragen wurde das Projekt von den Bürgern selbst.
Die Genossenschaft Solarwärme Bracht e.G. steht hinter dem Vorhaben. Ihr Ziel: eine krisensichere, dezentrale Wärmeversorgung für den ganzen Ort. Dazu ließ sie 855 Kollektoren aufstellen, die Sonnenlicht in Wärme umwandeln. Diese wird in einem riesigen Pufferspeicher gesammelt: 26 Millionen Liter Wasser, 15 Meter tief. Der Speicher sorgt dafür, dass auch im Winter genug Energie da ist.
Falls die Sonne doch mal nicht reicht, springt ein Holzkessel ein. Der läuft mit Holzabfällen. So bleibt die Anlage auch dann stabil, wenn es länger trüb bleibt.
Die Technik stammt vom Unternehmen Viessmann Climate Solutions. Das Unternehmen lieferte Kollektoren, Speicher, Regelungssysteme und die Anschlüsse für die Haushalte. Die gesamte Anlage wurde aus einer Hand geplant und installiert.
Ein Projekt dieser Größe verlangt nach schwerem Gerät: Bagger rissen Straßen auf, verlegten Rohre, unterquerten sogar einen Bach. Heute ist davon kaum noch etwas zu sehen. Die Gräben sind geschlossen, die meisten Haushalte angeschlossen.
16,5 Millionen Euro kostete das Ganze. Zwei Drittel kamen als Fördermittel von Land Hessen und EU. Den Rest stemmte die Genossenschaft. Die Haushalte zahlten je rund 6.000 Euro für den Anschluss. Der Preis pro Kilowattstunde liegt bei 16,5 Cent – und soll es auch bleiben.
Die Beteiligung im Ort ist hoch. Fast alle machen mit. Nur wenige blieben außen vor, etwa weil sie schon eigene nachhaltige Heizsysteme haben. Vereinsleben und Nachbarschaften haben geholfen, das Projekt zu tragen.

Im November 2025 zeichnete die Deutsche Energie-Agentur das Projekt mit dem Energy Efficiency Award aus. Es gelte als vorbildlich für andere ländliche Regionen, heißt es in der Jurybegründung. Besonders gelobt wurde die Verbindung von Bürgerengagement und technischer Kompetenz.
