Borreliose breitet sich im Westerwald rasant aus
Im Westerwald bahnt sich ein ungewöhnlich starker Anstieg von Borreliosefällen an. Allein in den ersten sechs Monaten des Jahres 2025 meldeten die Gesundheitsbehörden 49 Erkrankungen – mehr als fünfmal so viele wie im Vorjahreszeitraum, als lediglich neun Fälle registriert wurden. Und der Trend ist kein regionales Phänomen: Rheinland-Pfalz verzeichnet laut aktuellen Zahlen landesweit einen Sprung von 253 gemeldeten Infektionen im ersten Halbjahr 2024 auf 594 im laufenden Jahr.
Fachleute sehen den Hauptgrund im ungewöhnlich milden Winter. Die frostarmen Monate haben offenbar dafür gesorgt, dass Zecken in großer Zahl überlebt und sich rasch vermehrt haben. 2025 gilt daher schon jetzt als ausgeprägtes „Zeckenjahr“. Die Folge: eine deutlich höhere Wahrscheinlichkeit, sich beim Spaziergang, bei der Gartenarbeit oder auf Wanderwegen einen ungebetenen Blutsauger einzufangen.

Was Borreliose so tückisch macht
Borreliose – oft auch Lyme-Borreliose genannt – wird durch Bakterien aus der Gruppe der Borrelien verursacht, die über den Stich einer infizierten Zecke in den menschlichen Körper gelangen. Anfangs befällt die Krankheit vor allem die Haut, kann aber, wenn sie nicht rechtzeitig erkannt wird, Gelenke, Herz und Nervensystem in Mitleidenschaft ziehen.
Der klassische Frühsymptom-Kompass beginnt mit der sogenannten Wanderröte: eine sich ausbreitende, ringförmige Hautrötung mit hellerem Zentrum. Sie tritt meist einige Tage nach dem Stich auf, manchmal auch später – und nicht jeder bemerkt sie. Hinzu können grippeähnliche Beschwerden kommen, etwa Fieber, Kopf- und Gliederschmerzen oder geschwollene Lymphknoten.
Besonders schwerwiegend sind die Fälle, in denen die Infektion das Nervensystem erreicht. Laut medizinischen Beobachtungen geschieht dies bei bis zu drei von hundert Erkrankten. Typische Folgen sind brennende Nervenschmerzen, Taubheitsgefühle oder Lähmungen im Gesicht. Bei Kindern kann sogar eine Hirnhautentzündung auftreten.
Wird die Erkrankung früh entdeckt, lässt sie sich in der Regel mit einer antibiotischen Behandlung vollständig ausheilen. Eine Ansteckung von Mensch zu Mensch gibt es nicht. Eine Schutzimpfung steht bislang nicht zur Verfügung – wohl aber gegen die ebenfalls durch Zecken übertragene Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME), die jedoch keinerlei Schutz vor Borreliose bietet.
Vorsorge beginnt vor dem Stich
Wer sich in Wald, Wiesen oder auch nur im eigenen Garten aufhält, sollte an präventive Maßnahmen denken. Lange Kleidung erschwert es den Zecken, an die Haut zu gelangen; in die Socken gesteckte Hosenbeine und helle Stoffe helfen, die Tiere schneller zu entdecken. Insektenschutzmittel können zusätzlich nützlich sein, wobei die Herstellerangaben zur Wirksamkeit unbedingt zu beachten sind.
Nach einem Aufenthalt im Freien empfiehlt es sich, den Körper gründlich abzusuchen. Gerade an warmen, feuchten Körperstellen wie Kniekehlen, Achselhöhlen oder hinter den Ohren verstecken sich die kleinen Parasiten gern. Denn je kürzer eine Zecke in der Haut sitzt, desto geringer ist das Risiko einer Infektion.
Zecken entfernen – aber richtig
Ist der Blutsauger einmal festgebissen, sollte er möglichst rasch und fachgerecht entfernt werden. Der Griff erfolgt dicht über der Haut, direkt am Kopf des Tieres, dann wird die Zecke gerade herausgezogen. Spezielle Zeckenzangen, -karten oder eine spitze Pinzette leisten hier gute Dienste. Drehen, quetschen oder gar Öl und Cremes auftragen – all das kann eher schaden als nutzen.
Nach der Entfernung sollte die Einstichstelle desinfiziert werden. Bleiben winzige Reste des Stechapparats in der Haut, steigert dies nach Einschätzung von Medizinern nicht das Risiko für Borreliose. Entscheidend bleibt, ob und wie lange die Zecke zuvor gesaugt hat.
