Wie Guckheim zu seinem Namen kam – zwischen Sage und Sprachgeschichte
Was steckt hinter einem Ortsnamen? Manchmal ein ganzes Dorfleben. Manchmal nur ein Hauch Legende. Und mitunter schlicht ein alter Männername. Guckheim, dieses gemütliche Westerwalddorf mit Blick aufs Grüne, ist so ein Fall.
Der Name klingt freundlich, fast einladend. Wer sich etwas mit Dialekt anfreundet, hört ein „Guck mal heim“ heraus – und tatsächlich ist das eine der Legenden, die sich um den Ursprung des Ortsnamens ranken. In einer Version soll eine junge Frau aus Guckheim nach Wörsdorf geheiratet haben und dort Heimweh bekommen haben. Der Trost ihrer Familie: „Guck mol heim!“ – und schon, so heißt es, war ein Ortsname geboren.
In einer anderen Anekdote geht es um zwei Männer auf dem Weg zur Fronarbeit nach Weltersburg. Einer von beiden blickt noch einmal zurück auf sein Haus und ruft: „Guck noch mol heim!“ Auch hier soll aus einem persönlichen Moment ein Ortsname entstanden sein. Ob’s so war? Wer weiß das schon.
Sprachwissenschaftlich klingt das freilich weniger romantisch. Experten für Ortsnamensforschung verorten das „-heim“ in Guckheim eindeutig in eine bestimmte Siedlungsperiode. Endungen auf „-heim“ deuten auf fränkische Gründungen zwischen dem 4. und 6. Jahrhundert nach Christus hin – eine Zeit, in der der Westerwald langsam von germanischen Siedlern erschlossen wurde. Zahlreiche Ortsnamen der Umgebung bestätigen diese Entwicklung: Elbingen, Wölferlingen, Beilingen – und eben auch Guckheim.
Was aber bedeutet das „Guck-“ im Namen? Das ist nicht ganz eindeutig. Vermutlich verweist es auf einen Personennamen – etwa „Gugo“, „Coc“ oder „Goch“ –, also auf jemanden, der einst als Gründer oder Sippenoberhaupt der ersten Siedlung galt. Damals war es üblich, neue Orte nach deren Anführern zu benennen. Guckheim hieß also womöglich nichts anderes als „Heim des Gugo“.
Im Laufe der Jahrhunderte durchlief der Ortsname etliche Wandlungen: In alten Urkunden tauchen Schreibweisen wie Cocheim, Gocheim oder Cochem auf – die letzte sorgt heute gelegentlich für Verwirrung mit dem gleichnamigen Moselort. Auch die mündliche Tradition kennt eigene Formen: Die einen sagen „Guckern“, die anderen „Werschdorf“ – je nachdem, ob sie den alten Ortsteil Guckheim oder Wörsdorf meinen.
Klar ist jedenfalls: Guckheim gehört zu den älteren Siedlungen im Westerwald, mit einem Namen, der mehr Fragen aufwirft als Antworten gibt. Und vielleicht ist genau das sein Reiz – dass ein einfaches „Guck mol heim“ sowohl in der Legende als auch im echten Leben irgendwie immer passt.
